Aberdeen ist das Tor zu den Highlands Meist werden beim Schottland-Urlaub zuerst Edinburgh oder Glasgow besucht, danach geht es weiter in Richtung Norden in die Highlands. Doch es müssen nicht immer die bekannten Metropolen sein: In Schottlands drittgrößter Stadt Aberdeen können Städtetouren und Outdoor-Wanderungen viel müheloser miteinander verknüpft werden. Das Hinterland Aberdeens bietet viele Möglichkeiten für Kurzreisen und Tagesausflüge in die Highlands. Doch auch die 230 000 Einwohner zählende Stadt im Nordosten Schottlands selbst ist einen Besuch wert. Wirtschaftliches Zentrum Aberdeens ist der Nordseehafen: Ware für die ganze Region Grampian wird hier auf dem Fischmarkt gehandelt, der am Palmerston Quai um 4.00 Uhr morgens seine Tore öffnet. Dennoch sind die Kutter und Barkassen längst in den hinteren Hafenteil verdrängt worden, denn Aberdeen ist heute Europas Erdöl-Hauptstadt. Vor mehr als 30 Jahren wurde in der Nordsee das «schwarze Gold» entdeckt, das Aberdeen zu einer der reichsten Städte Großbritanniens machte. Das Maritime Museum am Ölhafen zeigt die Geschichte dieses Wandels: Bilder von Arbeit und Leben auf den Bohrinseln sind hier zu sehen, auch die Zeit von Schiffbau und Fischerei ist dokumentiert. Vom Hafen aus kann Aberdeen bequem zu Fuß erkundet werden. Auf kurzen Wegen wird das Zentrum erreicht, wo unter anderem das Haus von Provost Skene einen Stopp lohnt. Skene war Bürgermeister in Aberdeen von 1676 bis 1685, sein Heim ist im Stil jener Zeit eingerichtet. Wie der größte Teil der Wohnhäuser ist es aus silbergrauem Granitstein gebaut. Weil der Glimmeranteil im Stein funkelt, wenn die Sonne darauf fällt, trägt Aberdeen auch den Namen «Silver City». Die prachtvollsten Gebäude Aberdeens sind das Marischal College, das als zweitgrößtes Granitbauwerk der Welt gilt, und die Kathedrale von St. Machar, die nördlich des Zentrums über dem Seaton Park thront. Hier in «Auld Toon», der Altstadt, findet sich auch der Campus von Aberdeens King's College, wo Studenten und Professoren in Jahrhunderte alten Granitgebäuden forschen und studieren. Die mehr als 10 000 Studenten sorgen jedoch auch für ein abwechslungsreiches Nachtleben: Allein an der Haupteinkaufsstraße Union Street finden sich neben der Art Gallery und der Music Hall mehr als 30 Pubs und Discotheken, das «Amadeus» gilt dabei als größter Club Schottlands. Wenig von der Union Street entfernt verläuft die Strandpromenade. Hier zieht sich auf drei Kilometern einer der längsten Stadtstrände Europas die Küste entlang. Die Badehose gehört also ins Reisegepäck. Zwar sind Wasser und Wind recht kühl, doch das Vorurteil über die feuchte schottische Witterung trifft auf Aberdeen nicht zu. Die Stadt verzeichnet hinter den sonnigen Urlaubsgebieten an Englands Südküste die geringste Niederschlagsmenge im ganzen Vereinigten Königreich. Seine gute Anbindung an die Berge hat Aberdeen den Namen «Tor zu den Highlands» eingebracht. Bei den jährlichen Highland Games messen sich die Teilnehmer im Kilt, dem Schottenrock, in Sportarten wie Baumstammwurf. Wer Wandertouren in die Grampian Mountains und nach Deeside, die Täler um den Fluss Dee herum, unternehmen will, findet in den Buchläden auf der Union Street Karten und Bücher. Festes Schuhwerk gehört in den Highlands unbedingt zur Ausrüstung. In der direkten Umgebung Aberdeens ist eine Vielzahl typisch schottischer Sehenswürdigkeiten zu finden. Nirgendwo in Schottland gibt es auf so engem Raum so viele Burgen und Whisky-Destillerien wie im Nordosten. Nur wenige Kilometer von Aberdeen entfernt liegen etwa Slains Castle und Dunnottar Castle. Beide thronen direkt über dem Meer auf zerklüfteten Felsen, an denen die Gischt meterweit empor spritzt. Auch die Burgruinen sind spektakulär: Slains Castle etwa wird nachgesagt, den britischen Autor Bram Stoker zu der Geschichte vom Grafen Dracula inspiriert zu haben. Dunnottar ist besser erhalten und diente schon in vielen Filmen als Drehort. Die Aufnahmen zur Hamlet-Verfilmung mit Topstar Mel Gibson etwa wurden hier gemacht. Ein weiteres Ausflugsziel sind die vielen Destillerien am Ufer des Flusses Spey. Schottische Whiskymarken von Rang brennen hier ihren Schnaps: Glen Grant, Glenfiddich und Glenlivet - Namen, die das Herz von Whiskyliebhabern höher schlagen lassen - veranstalten Führungen und bieten Kostproben des Whiskys an. Um es Besuchern leichter zu machen, gibt es den «Castle Trail» und den «Malt Whisky Trail» - ausgeschilderte Routen, auf denen Schlösser und Destillerien mit einem Mietwagen bequem zu erreichen sind. Für Tagestouren empfiehlt sich aber auch der Bus: Ein gut ausgebautes Netz bringt Besucher von Aberdeens zentralem Omnibusbahnhof zu vielen Zielen im Hinterland. Die beste Urlaubszeit für Wanderer dauert von April bis September. Viele Burgen sind nur in dieser Zeit geöffnet, und auch einige Destillerien sind von Oktober bis Januar für Besucher geschlossen. |