„Es geht ein Zug...“ Nicht nach Nirgendwo wie im berühmten Schlager aus den 1970er-Jahren, sondern nach Sachsen-Anhalt ging der scheinbar endlose Zug, der sich am Donnerstag vom kleinen Bahnhof der Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE) in Wardböhmen bei Bergen in Bewegung setzte. Angehängt waren 100 jeweils mit 20 Raummetern Holz beladene Waggons, die am 2. Juli das Zellstoffwerk Stendal erreichen sollen. Es ist die erste Waldholz-Charge aus der Heide für größte und modernste Zellstoffwerk Europas, das Ende Juli den Betrieb aufnehmen soll. Mehmals pro Woche werden nach Aussage Lutz Freytags demnächst Holzzüge aus der Heide in die Altmark fahren. Der in Lüneburg wohnende Mitarbeiter des Zellstoffwerks mit Wurzeln in der Heide– Freytags Großvater Bodo war Revierförster beim Klosterforstamt Soltau–ist als Einkäufer für die „Versorgung“ des Werks zuständig. Neben Brandenburg spielen die Wälder des nordöstlichen Niedersachsens dabei eine wichtige Rolle. Freytag arbeitet eng mit der Waldconsulting Hohe Heide mit Sitz im Forstamt Heidmark in Delmsen sowie der Holzvermarktung Celler Land zusammen, die mit dem Forstamt Siebensteinhäuser das Material für den Premierenzug lieferten. Die Beladung mit jeweils mehr als 1000 Tonnen Holz erfolgt zwischen Soltau und Celle auf OHE-Bahnhöfen. Hunderttausende Raummeter Nadelholz aus Niedersachsen gelangen auf dem Schienenweg ins Werk, dessen Planung und Bau eine Milliarde Euro kosten. Das sei neu in der Branche, so Freytag. Holztransporte erfolgten größtenteils noch auf der Straße. Nur große Abnehmer könnten eine Schienenlogistik aufbauen und eigene Waggons betreiben. „Wir haben uns für die Bahn entschieden, weil Züge ökologische und wirtschaftliche Vorteile haben.“ Das solle auch den Waldbesitzern helfen, die Holznutzung wieder lohnend zu machen. Der „Hunger“ des Zellstoffwerks ist laut Freytag riesig. Drei Millionen Kubikmeter Nadelholz aus Durchforstungen und Sägewerken benötigt der Gigant jährlich. Der Bedarf wird durch täglich acht komplette Züge und einige hundert Lkw gestillt. Auch Binnenschiffe sollen eingesetzt werden. Es werden 550000 Tonnen Sulfat-Zellstoff produziert und zu hochwertigen Schreibpapieren und Hygieneprodukten weiterverarbeitet.
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