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Der Wunsch nach anonymer Bestattung berühre aber Fundamente des Glaubens. Denn der Name stehe in der Bibel dafür, „dass wir bei Gott erinnert bleiben“. Der Leiter der Telefonseelsorge Nordost-Niedersachsen, Pastor Dr. Burkhart Mecking, mahnte allerdings, dass die Anonymität eines Menschen jedoch nicht erst auf dem Friedhof beginne. Es sei die große Aufgabe von Kirche und Gesellschaft, gegen Anonymität, Isolierung und Einsamkeit der Lebenden anzugehen. Denn eine Person, die vier Wochen tot in ihrer Wohnung liege, sei bereits lange vor ihrem leiblichen Tod „gestorben“, betonte Mecking.
Um bei anonymen Bestattungen Trauernden Hilfe anzubieten, könne die Kirche Orte und Zeiten für das Gedenken einführen, nahm der Pastor und Soltauer Krankenhausseelsorger eine Anregung aus einer Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auf. Eine weitere „provokative Konsequenz“ aus der geschichtlichenErinnerung:Der Platz für anonyme Bestattungen müsse in oder an der Kirche eingerichtet werden.

Im täglichen Leben werde über den Tod nicht gesprochen, stellte Mecking fest. „Er ist nach der Sexualität das letzte Tabu, das Ausgrenzung und Abwehr hervorruft.“ Einen Wandel mit neuen Ritualen des Abschiednehmens habe allenfalls die Hospizbewegung gebracht. Mecking forderte seine Kollegen auf, Prioritäten neu zu bedenken und „das Minimalkonzept von Begleitung“ zu über- denken und zu revidieren. Mehr noch als bisher sollten sich Seelsorger Zeit für Trauernde nehmen, forderte Mecking.

Auch Regionalbischof Jantzen forderte von der Kirche, „kundenfreundlicher“ zu werden, in Trauerfällen nahe bei den Menschen zu sein, ihnen in ihrer Hilfslosigkeit bezustehen und „Zeit für sie zu haben, wenn sie uns brauchen“. Es sei besorgniserregend, dass nur noch 88 Prozent evangelischer Kirchenmitglieder auch kirchlich bestattet würden.

Jantzen verwies darauf, dass sich die Bestattungskultur wandele und der Glaube dabei aber nicht an bestimmte äußere Formen gebunden sei. Er forderte, dass die Kirche den Bedürfnissen der Menschen zum Beispiel bei der Gestaltung der Friedhöfe näher kommen müsse. Wenn die Form eines Grabsteines oder die Höhe einer Hecke von der Norm abweiche, berühre das nicht die Fundamente des Glaubens. Auf die Verkündigung des Evangliums, der Auferstehungshoffnung könne und wolle man nicht verzichten.„Aber in welcher Form das geschieht, welche Lieder gesungen und welche Musik gespielt wird, ist eine Frage, die uns viel Spielraum lässt.“