Indien bietet vom Himalaya bis zu den tropischen Traumstränden eine enorme landschaftliche Vielfalt. Dennoch spielt der Subkontinent für deutsche Urlauber bisher eine Nebenrolle. Nur 76 000 einreisende Bundesbürger wurden im Jahr 2003 gezählt. Allerdings ist Indien als Reiseziel im Kommen: Die Zahl der deutschen Touristen steigt, und viele Reiseveranstalter erweitern ihre Programme im Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt. Das Nadelöhr aber bleiben die oft völlig ausgebuchten Flüge nach Indien. 2004 könnte die Zahl deutscher Besucher «die 100 000er-Schwelle berühren», schätzt Giriraj Singh Kushwaha, Direktor von Tourism India in Frankfurt. 2005 seien dann 125 000 deutsche Gäste denkbar. Das wäre eine Verdoppelung binnen zwei Jahren und für Kushwaha trotzdem «erst der Anfang. Unser Land hat schließlich ein riesiges Potenzial.»
Das Potenzial sehen auch die Reiseveranstalter. Indien sei touristisch ein «ungeschliffener Diamant», sagt Koray Cavdir von Meier's Weltreisen in Frankfurt. So gebe es an der Ostküste viele Traumstrände, aber keine Hotels. Die Andamanen-Inseln im Golf von Bengalen seien schlecht per Flugzeug angebunden. Und auf den - mit den Malediven vergleichbaren - Lakkadiven scheitere mehr Tourismus an der Ablehnung durch die streng gläubige muslimische Bevölkerung.
Die meisten deutschen Touristen steuern die gleichen Ziele an. Ganz oben auf der Liste stehen Reisen durch Rajasthan: «Viele Indien-Anfänger reisen ins 'Goldene Dreieck' mit den Stationen Delhi, Jaipur und Agra mit dem Taj Mahal», sagt Manfred Schreiber von Studiosus in München. Daneben gehören der einstige Hippie-Treffpunkt Goa sowie Kerala im Süden des Landes zu den Favoriten. Beliebt sind laut Cavdir auch Kombinationen aus Indien und Sri-Lanka-Badeurlaub.
Indien polarisiert: «Faszination und Irritation liegen eng beieinander», sagt Schreiber. Studiosus habe viele Stammgäste, andere dagegen sagten sich: einmal und nie wieder. «800 bis 900 Millionen Menschen in Indien sind arm. Damit wird man konfrontiert, wenn man sein Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel verlässt», erklärt Cavdir.
Als Manko empfinden die Veranstalter weiter das Flugangebot nach Indien. Nach Kerala im Süden etwa gebe es keine Direktverbindungen. Zwar bieten arabische Fluggesellschaften Umsteigerflüge über Dubai, Doha oder Abu Dhabi etwa nach Cochin an, «doch die Maschinen sind oft voll». In die Bresche springen will Sri Lankan mit 77 Indien-Flügen pro Woche. Umsteigen müssen deutsche Touristen dabei in Colombo auf Sri Lanka, das dreimal pro Woche von Frankfurt aus nonstop angeflogen wird. Ende Juni 2005 wird ein vierter Flug pro Woche dazukommen.
Auch andere Fluggesellschaften bauen ihr Indien-Angebot aus. Für die Lufthansa etwa wird Hyderabad im Februar der fünfte Zielflughafen im Lande. Die US-Gesellschaft Delta legt noch bis 28. Februar auf ihren Flügen zwischen den USA und Bombay Stopps in Frankfurt ein. Viele freie Plätze für deutsche Touristen gibt es aber nicht: An Bord sind nicht zuletzt in Amerika lebende Inder auf dem Weg in die alte Heimat. Andere Fluggesellschaften wie die Lufthansa kennen dieses Phänomen ausgebuchter Flüge durch Inder, die in Europa umsteigen, ebenfalls. Wie sehr sich der Reisetrend nach Indien verstärken kann, liegt damit weiterhin nicht nur am Interesse der deutschen Urlauber.
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