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Lueneburg Marktplatz |
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| Helfried Meyer hat Galilei-Uhr von 1637 nachgebaut Steinbecker pflegt Uhrmacherkunst. Sein Geschäft hatte er in Lüneburg am Marktplatz gehabt. Kaufen kann man sie nicht – doch besitzen wollte er sie gern, die Uhren vergangener Zeiten und Zeugnisse alter Handwerkskunst. Daneben reizte ihn die Herausforderung, ob er so etwas wohl auch schafft. Also wurde der Uhrmachermeister Helfried Meyer selbst aktiv, baute sorgfältig und detailgetreu die alten Exponate nach. Als jüngstes Werk hat der 74jährige Steinbecker die sogenannte Galilei-Uhr fertiggestellt. Das Besondere an dem Stück, dessen Original Galileo Galilei 1637 gebaut hat, ist die Hemmung. Es ist so die erste Uhr, die wirklich genau geht. Denn im 17. Jahrhundert kam es sonst nicht so auf die Minute an, den meisten reichte es, wenn die Uhr wenigstens die Stunde ungefähr genau anzeigte. Feine Präzisionsarbeit hat Helfried Meyer schon immer fasziniert. „Ich hab Interesse für Feintechnik gehabt.“ So lernte er Anfang der 1940er Jahre zunächst Metallflugzeugbauer in Bremen. Als nach dem Zweiten Weltkrieg daran kein Bedarf mehr bestand, sattelte er um, absolvierte eine Uhrmacherlehre in Lüneburg. 1960 bestand er die Meisterprüfung, 1971 übernahm er Laden und Werkstatt am Lüneburger Marktplatz. Seine erste Uhr baute er bereits als Geselle Anfang der 50er Jahre, später bildete er sich immer weiter. „So richtig Ehrgeiz hab’ ich aber erst später gekriegt.“ Denn er mußte sich schließlich um den Laden kümmern – „da habe ich keine Zeit mehr gehabt.“ Doch eigentlich gehörte seine Liebe immer dem Feinhandwerk, nicht dem Verkaufen von Quarzuhren, dem Löten von Ketten und Armbändern. „Der Laden war überhaupt nichts für mich“, gibt er zu. „Aber ich brauchte ja was zum Leben.“ 1981 brannte das Geschäft ab – „das hätte noch viel eher passieren sollen, dann hätte ich noch mehr schöne Sachen gemacht“, meint er rückblickend. Auf den Geschmack beim Uhrenbau ist er eher zufällig gekommen. 1979 zeigte ihm jemand eine Glashütter Tourbillon-Uhr. Meyer war begeistert. „So etwas müßtest du doch auch hinkriegen“, dachte er. Gesagt, getan. So entstand in einem Jahr Bauzeit das Ein-Minuten-Tourbillon mit fliegendem Drehgestell und Chronometer-Federhemmung. Es ist ein Nachbau der berühmten Drehganguhr, von der es nur vielleicht knapp 40 Stück gibt, wie Meyer schätzt. Die Uhren wurden von 1926 bis 1935 unter Anleitung des Konstrukteurs Alfred Helwig an der Deutschen Uhrmacherschule in Glashütte/Sachsen gefertigt. Aufgrund seiner Leistung, ein solches Stück völlig allein hergestellt zu haben, wurde Meyer zum Ehrenmitglied der Vereinigung Glashütter Saxonia ernannt. Von da an ging es weiter. 1985 beispielsweise folgte der Bau einer gotischen Stuhluhr von 1450. „Ich habe sie restauriert – und mir eine nachgebaut.“ Die alte Handwerkskunst, wie Helfried Meyer sie pflegt, ist ansonsten weitgehend in Vergessenheit geraten. „Was ich mache, gibt es eigentlich gar nicht mehr.“ Denn ihm ist wichtig, daß die Uhren nicht nur mit dem Original übereinstimmen, sondern auch beim Bau alles stilecht zugeht. Diese Präzisionsarbeit sieht man auch an der Galilei-Uhr. „Ich hab’ sie nach der damaligen Arbeitstechnik gebaut.“ So wurde auch nichts gefräst, sondern die Eisenräder und die Verzähnung sorgsam gefeilt – mehrere Schubladen voll mit Feilen hat Meyer in seiner Werkstatt, in den verschiedensten Größen und für die unterschiedlichen Metalle. Gut ein Dreivierteljahr hat er an dem Stück gebaut – wieviel Stunden, hat er nicht gezählt. Jeden Tag ging er mittags oder nachmittags in die Werkstatt – und hörte so schnell nicht auf zu arbeiten. „Das ging ohne Ende, bis 5 oder 6 Uhr morgens, das merkte ich gar nicht“, erzählt der 74jährige. Die Galilei-Uhr hat bereits ihren Platz an der Wand gefunden – was nun folgt, weiß Meyer nicht. „Eigentlich wollte ich nichts mehr bauen“, meint der Steinbecker mit Blick auf sein Alter. |